Soziale Nachhaltigkeit für eine gesunde und zeitgemäße Unternehmenskultur

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeitende


19. Februar 2022 | Von Josephine Franz

In den letzten Jahren kamen Unternehmen, aber auch Einzelpersonen in der Rolle als Konsument:innen nur schwer an dem Trendbegriff „Nachhaltigkeit“ vorbei. Öffentliche Debatten um Themen wie das Lieferkettengesetz oder die CSR-Berichtspflicht von Großunternehmen haben zu einer erhöhten Aufmerksamkeit auf nachhaltige Prozesse in Unternehmen geführt. Kund:innen bevorzugen immer häufiger nachhaltige Alternativen. Die steigende Bedeutung des Themas macht deutlich, dass sich Betriebe grundsätzlich bewusst darüber sein sollten, welche Konsequenzen ihre unternehmerischen Entscheidungen für Umwelt und Gesellschaft haben. Sie müssen sich selbst gegenüber, aber auch gegenüber den Mitarbeiter:innen und der Kundschaft, Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.

Bei genauerem Blick auf das Thema Nachhaltigkeit wird deutlich, dass sich der Begriff aus drei Säulen zusammensetzt: die Ökologische, die Ökonomische sowie die Soziale Nachhaltigkeit. Die drei Säulen nachhaltiger Entwicklung werden auch häufig mit der „Triple Bottom Line“ bezeichnet. Dabei geht es um die Verzahnung von nachhaltiger Ökonomie, dem Schutz der Umwelt sowie einer verantwortungsbewussten sozialen und gesellschaftlichen Entwicklung. Dabei sollen alle drei Aspekte möglichst ausgeglichen in Unternehmen gelebt und umgesetzt werden.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit (Quelle: Mayer, Katja (2017): Nachhaltigkeit: 111 Fragen und Antworten. Nachschlagewerk zur Umsetzung von CSR im Unternehmen, S. 7)

In unserem Leitfaden „Soziale Nachhaltigkeit in kleinen und mittleren Unternehmen„, haben wir Handlungsempfehlungen zusammengefasst, die Sie dabei unterstützen sollen Soziale Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen zu leben.

Soziale Nachhaltigkeit rückt in den Fokus

Unternehmen bedenken Nachhaltigkeit bislang häufig „nur“ aus den Aspekten Ökologischer und Ökonomischer Nachhaltigkeit: Als Unternehmen nachhaltig zu wirtschaften und dabei ressourcenschonend und umweltfreundlich zu agieren, haben bereits viele Betriebe verinnerlicht. Aber auch die Soziale Nachhaltigkeit findet vermehrt Einzug in Unternehmen und wird auch für kleine und mittlere Unternehmen immer interessanter. Dabei fallen unter Soziale Nachhaltigkeit Aspekte wie faire Bezahlung, die Wahrung von Interessen der Mitarbeitenden (z.B. flexible Arbeitszeiten, gute Vereinbarung von Familie und Beruf), das Engagement für den Einsatz gegen soziale Ungerechtigkeit (z.B. Kinderarbeit) oder die Unterstützung gemeinnütziger Projekte.

Die eigene Soziale Nachhaltigkeit überprüfen

Katja Meyer beschreibt in ihrem Buch „Nachhaltigkeit: 111 Fragen und Antworten„, dass ein Unternehmen sich mit den Erwartungen der eigenen Anspruchsgruppen (Stakeholder) auseinandersetzen muss, um diese in betrieblichen Entscheidungen zu berücksichtigen. Um die eigene Soziale Nachhaltigkeit zu überprüfen, empfiehlt es sich eine ausführliche Analyse zu allen Maßnahmen durchzuführen, die das Unternehmen bisher betreibt. Dafür lohnt sich der Blick nach Innen, aber auch nach Außen, wie z.B. auf die Lieferkette, den gesamten Lebenszyklus der eigenen Produkte und Dienstleistungen oder die interne Kommunikationskultur mit den Mitarbeiter:innen. Fragen Sie sich, wo sie bereits nachhaltig handeln, wo sie soziales oder regionales Engagement unterstützen oder wo es noch Bedarf gibt. Durch eine ganzheitliche Betrachtung des Unternehmens und der eigenen Wertschöpfungskette, kann ein Unternehmen mehr über die eigenen negativen und positiven Einflüsse erfahren und so gezielt Maßnahmen ergreifen.

Um eine Einführung in die Thematik der Sozialen Nachhaltigkeit zu erhalten und Ihnen erste Umsetzungsideen aus der Praxis an die Hand zu geben, hat unser Kompetenzzentrum den Leitfaden „Soziale Nachhaltigkeit in kleinen und mittleren Unternehmen“ erstellt. Dabei werden u.a. Möglichkeiten der Motivation und Partizipation, der Chancengleichheit sowie des sozialen Engagements aufgezeigt.

Ein Praxisbeispiel: Einsatz für Soziale Nachhaltigkeit im Unternehmen VAUDE

Um einen Eindruck davon zu erhalten, wie kleine und mittlere Unternehmen Soziale Nachhaltigkeit bereits heute umsetzen, haben wir uns den Sport- und Outdoor-Bekleidungshersteller VAUDE näher angeschaut. Auf einer Veranstaltung des Verbands der Volkshochschulen Verl – Harsewinkel – Schloß Holte-Stukenbrock im November 2021 berichtete die VAUDE-Mitarbeiterin Kerstin Törpe, wie der Familienbetrieb u.a. Soziale Nachhaltigkeit realisiert.

Das Unternehmen verfolgt das Ziel zum Wohle aller – für Mensch, Umwelt und Gesellschaft – zu wirtschaften. Dabei achtet das Unternehmen u.a. auf nachhaltige Materialien, faire Produktion, umweltfreundlichen Transport oder recyclebare und wiederverwertbare Produkte. VAUDE möchte darüber hinaus auf die Lebensqualität ihrer Mitarbeitenden achten und setzt sich für flexible Arbeitszeiten ein. Dabei hat das Unternehmen in ihrem Verständnis von Sozialer Nachhaltigkeit verschiedene Maßnahmen ergriffen, damit sich die Mitarbeitenden dort wohlfühlen.

Zu den Maßnahmen gehören:

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern: Vertrauensarbeitszeit, flexible Arbeitszeitmodelle, Führungspositionen auch für Teilzeit-Kräfte
  • Bio-Kantine in der Unternehmenszentrale
  • Sozial verträgliche Arbeitszeiten: Nach 17 Uhr soll nicht mehr gearbeitet und Überstunden sollen vermieden werden
  • VAUDE „Kinderhaus“ am Firmenstandort in Kooperation mit lokaler Kommune
  • Möglichkeit des mobilen Arbeitens
  • Förderung der Geschlechter: Viele Frauen in Führungsrollen und Männer mit Arbeitszeitreduktion in Führungsrollen
  • Betriebssport

Um soziale Verantwortung zu übernehmen, blickt VAUDE auch auf die eigene Lieferkette. Das Unternehmen ist Mitglied in der „Fair Wear“-Organisation und setzt sich auch an ausländischen Standorten für Arbeitssicherheit und gute Arbeitsbedingungen ein. So stellen sie auch außerhalb des deutschen Firmensitzes sicher, dass alle, die an der Herstellung ihrer Produkte beteiligt sind, gute Arbeitsbedingungen vorfinden.

Verantwortung in der Lieferkette bei VAUDE (Quelle: VAUDE)

Die nachhaltige Vorsätze von VAUDE werden in dem Familienunternehmen von der Geschäftsführerin Antje von Dewitz vorgelebt. Ihr Vorbild strahlt auf das ganze Unternehmen ab:

„Für eine gelingende Transformation braucht es eine gute Unternehmenskultur“.

Kerstin Törpe, Mitarbeiterin bei VAUDE

Ein Wandel muss spürbar und sichtbar im Unternehmen gestaltet werden, damit die Mitarbeitenden mitgenommen werden können. Dabei wird bei VAUDE auf Transparenz geachtet: Die Mitarbeitenden werden in alle Unternehmensentscheidungen einbezogen und Informationen werden transparent weitergeleitet. Dafür hat das Unternehmen z.B. Gremien für die Mitarbeitenden eingerichtet, in welchen sie in fast alle Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Engagement für Soziale Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Eine solche Unternehmensausrichtung ist anfangs sicher nicht kostengünstig, das Unternehmen geht hier in Vorleistung. Hinzu kommt laut Kerstin Törpe, dass nachhaltiges Engagement entlang aller drei Säulen der Nachhaltigkeit derzeit noch nicht ausreichend vom Staat, z.B. durch Steuerentlastungen, „belohnt“ werde. Deshalb muss die Motivation häufig von innen heraus durch die Geschäftsführung selbst erfolgen. Sie sollte klar hinter den Entscheidungen zu einer nachhaltigen Entwicklung des Betriebes stehen und die Mitarbeitenden auf diesem Weg mitnehmen. Denn die beschriebenen Maßnahmen zahlen sich langfristig auf eine positive Unternehmenskultur aus, was bei VAUDE z.B. durch eine niedrige Fluktuation der Mitarbeiter:innen deutlich wird (4% Fluktuationsquote).

Auf einen Blick: Die Vorteile von Sozialer Nachhaltigkeit für das Unternehmen 

Innenwirkung von Maßnahmen Sozialer Nachhaltigkeit

Außenwirkung von Maßnahmen Sozialer Nachhaltigkeit

  • Mitarbeiter:innen zeigen sich motivierter und engagierter
  • Die emotionale Bindung und Identifikation mit dem Unternehmen steigt
  • Das Wohlgefühl auf der Arbeit wächst und es entsteht ein gutes Arbeitsklima
  • Einer hohen Fluktuation wird vorgebeugt und es entsteht ein langfristiges, loyales Interesse am Unternehmen
  • Die Rate der Weiterempfehlung steigt

  • Motivierte Mitarbeiter:innen spiegeln eine höhere Arbeitsqualität wider
  • Überzeugung der Zielgruppe durch internes Engagement
  • Steigerung des Vertrauens in das Produkt oder die Dienstleistung
  • Positionierung auf dem Markt und positive Identifikation mit der Marke
  • Steigerung der Arbeitgeberattraktivität
  • Gewinnung an Glaubwürdigkeit und Authentizität
  • Aufbau einer Vertrauensbasis mit der Kundschaft

Informieren Sie sich in unserem Leitfaden: „Soziale Nachhaltigkeit in kleinen und mittleren Unternehmen„.

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