Wie ein Podcast in Corona-Zeiten zum Mittelpunkt der Kommunikation wird

Eine Frau mit Maske, ein Handy und Social Distance: Mit einem Podcast können Unternehmen Kundennähe schaffen

Bildquelle: Pixabay

Kundennähe in Zeiten von Corona? Mit einem Podcast ist es möglich.


6. Mai 2021 | Von Lennard Fötzsch

Neue Marketingkanäle auszuprobieren ist für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) eine gute Methode, um am Markt sichtbar zu werden. Einer der brandaktuellen Kanäle sind Podcasts. Ein Unternehmen aus dem Mittelstand, das Podcasts als einen funktionierenden Marketingkanal für sich entdeckt hat, ist das „Basislager Coworking“ mit dem „Werkbank Podcast“. Das „Basislager“ ist ein Coworking Space, der lokal in Leipzig angesiedelt ist und Arbeitsräume für Start-Ups und Freelancer/-innen vermietet. Patrick Bauer hat den „Werkbank Podcast“ ins Leben gerufen und lädt regelmäßig Leute aus der Leipziger Gründerszene zu sich in die Show ein. Im Interview berichtet er über die Entstehung, die Bedeutung des „Werkbank Podcasts“ während Corona sowie die Stärken von Podcasts als Marketinginstrument.

Herr Bauer, wie sind Sie zum Podcasten gekommen?

Podcasts sind schon seit einigen Jahren einfach das Thema im Marketing, das immer wieder aufpoppt. Durch einen Podcast-Workshop habe ich mich näher darüber informiert. Eine wichtige Erkenntnis war, dass für das Podcasten sehr wichtig ist, eine Nische zu finden. Tatsächlich gab es zum Thema „Coworking“ noch relativ wenig. Da ich auch privat Podcasts höre, hatte ich Lust, das mal anzupacken, aber noch keine Erfahrung rund um Interviewführung oder das Schneiden von Audio-Material. Mitte 2019 haben wir dann mit rudimentärer Technik den „Werkbank Podcast“ gestartet.

Da der Podcast immer neben dem Tagesgeschäft lief, konnten wir am Anfang nicht mal den Monatsrythmus einhalten. Nach einem Jahr Podcasten, habe ich dann im Sommer 2020 überlegt „Okay, was will ich jetzt mit dem Ding machen? Will ich das aufblasen oder möchte ich, dass es so dahin dümpelt wie es ist?“. Nach dem Sommer haben wir ein bisschen in Technik investiert. Ich habe mit drei Jungs, die auch bei uns im Haus sitzen, ein Experten-Format zu den Themen „Marketing, Legal und SEO“ kreiert. Zu jedem Thema haben wir 5 Folgen aufgenommen, also insgesamt 15 Folgen und zwischendrin kommen immer noch Interviews. Dadurch ist es möglich geworden, jede Woche etwas zu veröffentlichen. Mit der Übung ist mein Knowhow besser geworden, was dafür sorgt, dass jetzt alles etwas schneller geht.

Die Abkürzung SEO steht für Search Engine Optimization (Suchmaschinenoptimierung). SEO ist eine Disziplin im Online Marketing, bei der es darum geht mithilfe von bestimmten Maßnahmen in einer Suchmaschine wie Google relativ weit vorne zu erscheinen. Dadurch sollen Nutzer auf die eigene Website aufmerksam werden und Besucherzahlen gesteigert werden.

Wie hoch ist denn der zeitliche Aufwand pro Folge?

Für eine Podcast-Episode kann man in der Regel mit 5 bis 6 Stunden rechnen. Da fließt eine Stunde Interview plus Vor- und Nachbereitung sowie Intro einsprechen mit rein. Dann noch zwei Stunden Recherche, je nachdem wie gut ich die Person, die ich interviewe, kenne. Für die Bearbeitung im Nachhinein auch nochmal zwei Stunden. Da ist also fast ein Arbeitstag weg.

Was ist Ihre Empfehlung an KMU, die überlegen einen „Corporate Podcast“ zu starten?

Zuerst einmal ist wichtig, dass man was zu sagen hat. Podcasting ist im Endeffekt Marketing. Man braucht eine Story und ein übergeordnetes Thema. Wenn man den Podcast so aufbaut, dass er einen relevanten Nutzen für die Zuhörerschaft hat und nicht bloß Werbung für das eigene Unternehmen ist, kann das sehr gut funktionieren. Auch für Unternehmen, die auf den ersten Blick etwas sperrig oder sehr technisch sind. Es gibt immer Leute, die sich dafür interessieren. Wenn man als KMU nicht diesen ganzen Prozess (wie wir es am Anfang gemacht haben) durchlaufen will, sondern von vornherein professionell starten möchte, dann sollte man sich vielleicht Beratung holen. Dadurch kriegt man einen schnelleren Überblick wie Podcasting funktioniert und kann den Aufbau der Episoden durchsprechen. Eventuell lässt man den technischen Part rund um die Nachbearbeitung von anderen erledigen.

Patrick Bauer ist zuständig für das Marketing beim „Basislager Coworking“. Das „Basislager“ ist ein Coworking Space, der in Leipzig angesiedelt ist. Seit Mitte 2019 veröffentlicht das „Basislager Coworking“ den „Werkbank Podcast“, in dem Bauer mit seinen Gästen über aktuelle Themen der Digitalisierung und Arbeitswelt spricht.

Welche Kommunikationsziele verfolgen Sie mit dem Podcast?

Das ist eine gute Frage. Werde ich auch öfters von meinen Vorgesetzten gefragt (lacht). Am Anfang war es wirklich nur reines Ausprobieren. Wir wollten uns mal die Podcast-Landschaft anschauen und sehen wie die Resonanz ist. Natürlich sollte der Podcast irgendwie ein Marketingtool in Form von Reichweite und Branding sein. Das hat sich jetzt schon ein bisschen verlagert. Also, wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir Anfragen bekommen, ob wir für andere Podcasts machen. Also sozusagen „Podcast-Service“. Auf Dauer ist unser Ziel in Form von Kooperationen, Werbung bei uns im Podcast zu schalten. Sodass wir es schaffen, den Podcast so zu monetarisieren, dass wir zumindest unsere Arbeitszeit und die Technik deckeln. Ansonsten ist es klar Marketing. Besonders jetzt in Zeiten von Corona ist es ein super Tool, was uns hilft, über diese Flaute an Events hinwegzukommen. Vor Corona waren unsere Social-Media-Kanäle und unsere Newsletter voll mit Events. Dafür haben wir jetzt wöchentlich einmal einen Podcast, in dem wir Gäste vorstellen und uns dadurch in den Köpfen der Leute halten. Das Ziel hat sich dementsprechend geändert: Weg vom reinen Branding hin zu einem professionellen Podcast durch den wir in Corona-Zeiten präsent sind.

Wie ist das Zwischenfazit?

Also ich muss sagen, ich bin sehr zufrieden. Ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn ich sehe, dass uns kein Mensch zuhört. Aber wir sehen, dass die Zuhörerschaft linear ansteigt. Das ist bei Podcasts auch üblich, dass man langfristig denken muss und nicht davon ausgeht, dass plötzlich eine Folge explodiert und man viral geht. Auch wenn unsere Followerschaf im Moment noch relativ klein ist – wir haben auf Spotify ca. 50 Abonnent/-innen. Aber die 50 Leute, die dir eine Stunde lang zuhören und hören, wenn du Werbung einspielst oder Empfehlungen aussprichst, haben einen ganz anderen Einfluss auf Werbekunden als jemand, der sich mal einen Instagram- oder Facebook-Post anschaut. Wenn wir irgendwann vielleicht so 200 Hörer/-innen pro Folge haben und man sich das mal bildlich vorstellt: Dann spricht man jede Woche vor 200 Leuten, die uns aktiv zuhören.

Klappt das denn, Hörer/-innen zu Kundinnen und Kunden zu machen?

Wir sehen, dass wir eine Stamm-Hörerschaft haben. Die meisten kommen natürlich aus Leipzig, danach kommt Berlin. Wenn wir in Leipzig erstmal die erweiterte Community der Gründerszene erreichen, ist das schon eine große Menge. Wenn wir es durch den Podcast schaffen ein Sprachrohr zu werden, vielleicht auf lange Sicht in Form von „Hey, was gibt’s Neues in Leipzig?“, dann haben wir schon viel erreicht. Viele Studentinnen und Studenten kommen ganz frisch in Leipzig an, für die wollen wir der erste Berührungspunkt mit der Gründer-Community Leipzigs werden.

Der Podcast ist natürlich auf Ihrer Website, doch wie wird er noch verbreitet? Schalten Sie auch Social-Media-Werbung?

Social-Media-Werbung machen wir generell sehr wenig. Um den Podcast zu verbreiten, nutzen wir alle unsere Social-Media-Kanäle. Das geht von Instagram, Facebook, Twitter über LinkedIn bis hin zu unserem Newsletter. Der Podcast ist momentan durch Corona auch unser „Leading Content“ (Hauptinhalt), weil sonst wenig los ist. Wenn wir Gäste im Podcast haben, die selbst sehr stark auf Social Media unterwegs sind und die Folge mit ihrem Netzwerk teilen, dann merkt man das natürlich sofort. Das ist echt extrem, was da teilweise abgeht, wenn jemand eine gute Followerschaft hat.

Vielen Dank, Herr Bauer, für das Gespräch.

Hier geht es zum „Werkbank Podcast“.

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