Auf die Krise reagiert mit Desinfektionsmittel-Tankstelle

Geschäftsführer Georg Meyer demonstriert stolz die Desinfektionsmittel-Tankstelle.

Georg Meyer demonstriert stolz seine Desinfektionsmittel-Tankstelle.


7. Mai 2020 | Von Svenja Dittmann

Georg Meyer ist Geschäftsführer der Klimagriff GmbH. Kernprodukt des Unternehmens ist der „Klimagriff“, ein Minicomputer, der an Fenstergriffen angebracht ist und verschiedene Daten über Raumklima und Fensteröffnung sensorisch erhebt und auswertet. Mit Hilfe der darüber erhobenen Daten wird Bewohnern signalisiert, wann zu lüften ist, damit Schimmelbefall in der Wohnung durch richtiges Raumklima vermieden wird. In der Corona-Krise ist Meyer erfinderisch geworden und hat auf die gestiegene Nachfrage nach Desinfektionsmitteln reagiert. Und zwar mit einem ganz besondern Produkt: mit einer Desinfektionsmittel-Tankstelle. Kundinnen und Kunden können sich hier Desinfektionsmittel in eigene Gefäße zapfen. Unter anderem durch digitale Lösungen gewährt Meyer seiner Kundschaft eine nahtlose Versorgung mit dem derzeit begehrten Produkt. Ein Prototyp der Desinfektionsmittel-Tankstelle ist bereits hergestellt. Weitere Geräte sollen so schnell wie möglich in Produktion gehen.

Herr Meyer, mit der Desinfektionsmittel-Tankstelle reagieren Sie auf das akute Bedürfnis nach Desinfektionsmitteln. Wie kamen Sie auf diese Idee und in welchem Zusammenhang steht sie mit Ihrem eigentlichen Geschäftsmodell, dem Klimagriff?

„Klimagriff“ ist eine Idee aus dem Jahr 2009, die aus Überlegungen dazu entstand, wie man Streits zwischen Mieter/-innen und Vermieter/-innen vermeiden kann. Oft geht es ja um Schimmelbefall in der Wohnung. Durch Klimagriff sind wir also vermehrt in Schimmelfälle involviert gewesen. In dem Zusammenhang kamen wir mit einer Reihe von Anbietern in Kontakt, die Produkte im Bereich der Schimmelbeseitigung anbieten. Daraufhin haben wir begonnen, Kooperationen zu bilden und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. 2015 folgte dann eine Ergänzung in unserer Angebotspalette: Die Desinfektion von Schimmelschäden. Seitdem vertreiben wir also ein Produkt auf Wasser-/ Kochsalzbasis für die Vernebelung und Desinfektion von Flächen, die von Schimmel befallen sind.

Im Zuge der Corona-Krise kam dann vermehrt die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und wir sahen uns mit dem Problem konfrontiert, dass nicht genügend Sprühflaschen zur Verfügung standen, um auf die Nachfrage reagieren zu können. Wir haben verschiedene Hersteller kontaktiert, doch allerorts waren die Kapazitäten erschöpft. Selbst wenn es genügend Flaschen gäbe, um den enormen Bedarf zu decken, wäre das nicht zuletzt aus Perspektive der Nachhaltigkeit problematisch. So kam mir die Idee, eine Refill-Alternative anzubieten. Deshalb ist unsere Lösung, das Desinfektionsmittel ohne Behältnis anzubieten und dafür die Voraussetzungen zu schaffen. Nachdem ich dann online erfolgreich einen Aufruf gestartet habe, um Kooperationspartner zum einen für die Produktion und zum anderen mit dem nötigen Know-How im technischen Bereich zu finden,  ging die Desinfektionsmittel-Tankstelle in die Entwicklung.

Die Refill-Stationen sind dem Prinzip herkömmlicher Tankstellen nachempfunden. Welche digitalen Lösungen stecken im Produkt?

Die Stationen sollten natürlich per Touchscreen bedienbar sein. Kundinnen und Kunden können zwischen einer Füllmenge von 50 ml und einem Liter wählen. Außerdem wird die kontaktlose Bezahlung über die gängigen digitalen Bezahlwege möglich sein. Neigen sich die Desinfektionsmittel-Reserven im Tank dem Ende, werden wir bzw. der Betreuende der jeweiligen Station vor Ort informiert. Die digitalen Mechanismen erkennen selbständig, wenn der Vorrat an Desinfektionsmittel erschöpft ist. Über ein Kommunikationssystem geht eine Benachrichtigung an den entsprechenden Adressaten raus, sodass die Wiederbefüllung umgehend erfolgen kann. So ist eine Versorgung mit Desinfektionsmittel ohne Engpässe gewährleistet.

Sind weitere digitale Anwendungen geplant, z. B. was den Service angeht?

Wenn man nun wie wir ein Geschäftsmodell entwickelt hat, das an ein Tankstellensystem angelehnt ist, liegt die Entwicklung einer dazugehörigen App nahe. Mit der App könnten die Standorte der Stationen angezeigt werden und die aktuelle Verfügbarkeit bzw. die verfügbare Menge Desinfektionsmittel an den jeweiligen Standorten. So könnten Kundinnen und Kunden jederzeit und von jedem Ort in Erfahrung bringen, wo sich die nächstgelegene Station befindet. Hier etwas zu entwickeln ist angedacht, hängt aber davon ab, wie viele Stationen installiert werden.

Wer gehört zu Ihrer Zielgruppe für die Desinfektionsmittel-Tankstelle?

Abnehmer des Produkts sind zum Beispiel Firmen und Institutionen. Uns liegen aktuell Anfragen von Justizvollzugsanstalten, Schulen, Kindergärten und auch Gastronomiebetrieben vor. Die Einsatzorte der Refill-Stationen sind vielfältig und so ist auch der Personenkreis, dem das Desinfektionsmittel vom jeweiligen Abnehmer zur Verfügung gestellt wird: Mitarbeiter/-innen, Kunden/-innen oder Besucher/-innen.

Sehen Sie als Unternehmer die Corona-Krise in Teilen auch als Chance?

Meine Partner und ich versuchen stets innovativ zu denken und somit ist auch die Corona-Krise für uns eine Herausforderung, auf die wir versuchen kreative Antworten zu finden. Aktuell sind wir nun zum Beispiel Teil einer Initiative von Händlern und Unternehmen verschiedener Branchen, die unter dem Motto „Anti- Corona“ gemeinsam Lösungen erarbeiten, um die Eindämmung des Virus zu erreichen. In dem Kontext steht auch die Desinfektionsmittel-Tankstelle. Als nächstes steht hier sogar eine gemeinsame Messe an, auf der alle Beteiligten – natürlich unter Einhaltung der aktuellen Hygieneregelungen – zusammenkommen, Ideen vorstellen und gemeinsam weiterentwickeln.

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