Technologie und Wirtschaft: Auf Vertrauen kommt es an

Geschäftspartner geben sich in einem Meeting die Hand.

Technologie soll Unternehmen helfen, effizienter zu werden. Doch zunächst muss Vertrauen aufgebaut werden.


8. April 2020 | Von Svenja Dittmann

Jede Kooperation in der Wirtschaft setzt Vertrauen voraus. Personen vertrauen darauf, dass die angebotene Dienstleistung oder das Produkt ihren Erwartungen entspricht. Anbieter vertrauen darauf, dass ihre Kundschaft seine Gegenleistung in Form der Bezahlung leistet. In der Zusammenarbeit einzelner oder mehrerer Unternehmen sieht es ähnlich aus:  Sie müssen sich sicher sein können, dass ihr Gegenüber die getroffenen Vereinbarungen einhält. Ebenso liegt es in ihrer Verantwortung, ihre Aufgaben pflichtbewusst zu erfüllen. Dies setzt einen beidseitigen Vertrauensvorschuss voraus. Nur so kann die Zusammenarbeit fruchten und die Qualität der Arbeit sichergestellt werden.

Wird einem Unternehmen Vertrauen von Partner/-innen oder Kunden und Kundinnen entgegengebracht, liegt es in seinem Interesse, dies wertzuschätzen und in seinen Handlungen zu berücksichtigen. So kann eine Grundlage für zukünftige Geschäfts- oder Kundenbeziehungen geschaffen werden. Je positiver das vertrauensvolle Handeln zwischen den Agierenden, desto positiver der Effekt auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Dies trägt entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit bei. Vertrauen bildet somit in jeder Hinsicht einen grundlegenden Faktor für wirtschaftliches Gelingen und Wachstum.

Mit Vertrauen die Komplexität reduzieren

Vor dem Hintergrund technologischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Unternehmen, gewinnt Vertrauen in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit eine andere Bedeutung. Mehr Komplexität kann das Vertrauen herausfordern, hier lohnt sich eine erweiterte Definition von Vertrauen.

Der globalisierte Markt stellt Unternehmen vor Herausforderungen, die zu Geschwindigkeitssteigerung und Innovationen drängen, um im Wettbewerb zu bestehen. Digitale Lösungen sind hierbei unabdinglich. Eine Form digitalisierter Wertschöpfung ist das Wertschöpfungsnetzwerk. In einem solchen Netzwerk verbinden sich verschiedene wirtschaftliche Akteure – vom Produzenten, über den Zulieferer bis zur Kundschaft – miteinander, mit dem Ziel, einen Mehrwert für alle Seiten zu generieren. Produkte oder Dienstleistungen für individuelle Kundenwünsche werden so unternehmensübergreifend über verschiedene Stufen der Wertschöpfung entwickelt, produziert und ausgeliefert.

Jeder Schritt ist digital erfasst und über eine Plattform, die als verbindendes Element fungiert und Kommunikation regelt, mit dem gesamten Netzwerk verbunden. Es zeichnet sich somit durch eine hohe Transparenz und Verbindlichkeit aus.

Arbeitsteilung steht im Vordergrund

Im Wertschöpfungsnetzwerk stehen Arbeitsteilung entsprechend der Kernkompetenzen und der Informationsfluss zwischen allen Beteiligten im Vordergrund. Zur Effizienz- und Qualitätssteigerung sind Verantwortungen unter den Akteuren nach Kompetenzen und Ressourcen verteilt und konzentriert. Der regelbasierter Datenaustausch über eine Plattform ermöglicht eine kontinuierliche Anpassung an veränderte Bedingungen oder Kundenwünsche und garantiert schnelle Reaktionsfähigkeit von allen Seiten. Wertschöpfungsnetzwerke können sowohl im Rahmen länger- als auch kurzfristiger Kooperationen gebildet werden und zeichnen sich stets durch eine hohe Dynamik, Flexibilität und Innovationskraft aus. Denn durch die Bündelung von Kompetenzen und Kopplung einzelner Strategien können gemeinsam neue Leistungen und bessere Lösungen entwickelt werden und darüber hinaus ganz neue Geschäftsmodelle entstehen.

Lesen Sie hier mehr zu Wertschöpfungsnetzwerk

Handwerksbetriebe beispielsweise profitieren zunehmend durch Kooperationen mit IT-Dienstleistern. So können Bauvorhaben durch die Nutzung virtueller Realität (VR) noch vor der materiellen Umsetzung virtuell erlebbar und für Kundenninen und Kunden, Planer/-innen und Konstrukteur/-innen zugänglich gemacht werden. Die Personen können ihr fertiges Produkt vorab begutachten und gegebenenfalls Änderungswünsche äußern. Alle Beteiligten haben so die Möglichkeit, Details einzusehen und eventuelle Modifikationen entsprechend vorzunehmen. Unter anderem können so Fehler im Voraus behoben und Abstimmungsschwierigkeiten vorgebeugt werden. Auch im laufenden Fertigungsprozess werden Daten jederzeit erfasst und mit den beteiligten Akteuren geteilt. Anpassungen können auch dann noch ohne größere Ausfälle vorgenommen werden.

Ein anderes Beispiel ist die gebündelte Materialbeschaffung durch verschiedene Vertreter/-innen einer Branche. Hier wird der jeweilige Bedarf über eine Plattform abgestimmt. Die Beteiligten  profitieren dabei von geringeren Kosten im Einkauf und sparen durch den zusammengefassten Bestellvorgang Zeit in der Organisation.

Von der Wertschöpfungskette zum digital vernetzten Wertschöpfungsnetzwerk

Die traditionelle Wertschöpfungskette zeichnet sich durch einen linearen Prozess der Wertschöpfung aus. Produkte und Informationen verlaufen hier in fest definierten, bewährten Bahnen und finden eher isoliert voneinander statt. Lieferfirmen, Hersteller, Vertriebspartner und andere Beteiligte vollziehen ihre jeweiligen Arbeitsschritte unabhängig voneinander. Treten beispielsweise Schwierigkeiten in der Herstellung oder Änderungswünschen seitens der Kundschaft auf, informiert einePerson  den jeweils nächsten. Alle Beteiligten reagieren im Rahmen ihrerMöglichkeiten auf die veränderten Bedingungen. Die Prozessanpassung nimmt dabei Zeit in Anspruch und kann unter Umständen kostspielig werden.

Vernetzte Wertschöpfungskette: Das Themenheft Wissenschaft trifft Praxis

Im Gegensatz dazu ermöglicht ein vernetzter Wertschöpfungsprozess durch Information aller Beteiligten in Echtzeit einen souveränen Umgang mit Veränderungen. Anpassungen können unmittelbar vorgenommen werden und der Herstellungsvorgang bleibt ungebremst. Die gezielte Arbeitsteilung im Rahmen des Netzwerks bringt für die einzelnen Unternehmen einen weiteren Vorteil mit sich: Die Konzentration auf die Kernkompetenz des jeweiligen Handelnden kann sich positiv auf das Qualitätsniveau der einzelnen Teilprozesse und somit auf das Endergebnis auswirken. So sind auch flexiblere Reaktionen auf die Marktentwicklung möglich.

Vertrauen fördern

Es geht nicht mehr nur um das Vertrauen zu Kundschaft und Geschäftspartner. Es gilt, Vertrauen in das System aufzubauen und zu fördern. Insbesondere vor dem Hintergrund sich neu definierender Formen wirtschaftlichen Handelns und wirtschaftlicher Kooperation rückt die Wichtigkeit der verschiedenen Vertrauensdimensionen mehr und mehr in den Vordergrund. Eine Auseinandersetzung mit der Thematik muss daher auch im Mittelstand zum Pflichtprogramm werden.

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