Produktion in drei Schichten statt Kurzarbeit – Solidtec lässt Maschinen brummen

Solidtec Geschäftsführer Sebastian Schelbert

Solidtec Geschäftsführer Sebastian Schelbert im Gespräch mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kommunikation.


10. Juni 2020 | Von Anne-Kathrin Berg

Als die Corona-Maßnahmen griffen, war das für zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen ein Schock. Auch die südhessische Firma Solidtec hat dies zu spüren bekommen. Doch dann kam ein Anruf, der einiges veränderte. Der Anrufer war Klaus Nowak, Student aus Frankfurt und gleichzeitig Gründer des Startups „Protection Impuls“. Nowak suchte dringend nach Firmen, die in kürzester Zeit Gesichtsschilder produzieren könnten. Seine Vision: Er wollte „Alltagshelden/-innen“ wie Ärztinnen und Ärzten oder Pflegekräften ausreichend Gesichtsvisiere zur Verfügung stellen, die Viren abhalten. Nowaks Mutter, selbst Hebamme, brachte ihn auf die Idee.

Mit seiner Anfrage war Nowak bei Solidtec an der richtigen Adresse. Die Firma ist seit über 20 Jahren spezialisiert auf „Rapid Tooling und Prototyping“ im Bereich des Spritzgussverfahrens. Schnelle und präzise Reproduzierbarkeit wird dadurch möglich. In kürzester Zeit können große Mengen eines Produktes hergestellt werden. Im Interview schildert Sebastian Schelbert, Geschäftsführer der Firma Solidtec, wie es zu dem interessanten Auftrag kam.

Herr Schelbert, die meisten Ihrer Produkte werden so verbaut, dass Verbraucher/-innen sie kaum zu Gesicht bekommen. Eine Ausnahme bietet das FACESHILD. Erzählen Sie vom Erstkontakt mit Klaus Nowak.

Ende März erhielten wir einen Anruf von Klaus Nowak (Protection Impuls). Wir beraten unsere Kunden/-innen immer professionell und zügig, doch in diesem Gespräch wurde schnell klar, dass es hier noch schneller gehen musste. Es wurde auch deutlich, dass es um etwas wirklich Wichtiges ging. Herr Nowak hatte eine Beratung nicht nötig. Für den angefragten „Faceshield-Bügel“ benötigte er sehr schnell Serienteile – keine Prototypen oder Vormuster, wie wir das von vielen unserer Kunden/-innen gewohnt sind. Werkzeuge aus hochfestem Aluminium produzieren wir teilweise innerhalb einer Woche. Aber das war Herrn Nowak nicht schnell genug. Er sagte: „Ich benötige erste Serienteile in zwei Tagen“. Wir durften also keine Zeit verlieren und sagten zu. Wir brauchten nur die CAD-Daten und starteten. Glücklicherweise haben wir intern unsere Prozesse und die Erstellung von Werkzeugeinsätzen so optimiert, dass wir diese im Falle der Fälle auch über Nacht erstellen können. Unser Firmeneigner Thomas Rößner hat unsere Sinne daraufhin genau geschärft, so dass wir kundenorientiert Unmögliches möglich machen können. So war es auch bei dieser Anfrage: binnen 24 Stunden und 30 Minuten nach dem Anruf konnten wir dem Kunden werkzeugfallende Teile vorstellen. Nach drei Produktionstagen waren schon 10.000 Teile verfügbar. Die außergewöhnliche Geschichte nahm ihren Lauf.

Wie sieht der Alltag Ihrer Mitarbeiter/-innen seit dem Anruf aus?

Wir haben in kürzester Zeit Spritzgussformen hergestellt und eine Serienfertigung mit der dazugehörigen Logistikkette für den Bügel des Faceshields aufgebaut. Wir fertigen seitdem im 3-Schichtbetrieb anstatt in 2 Schichten und freuen uns, dass unsere Mitarbeiter/-innen flexibel und hochmotiviert bei der Sache sind.

Neben der Produktion der Bügel für das FACESHIELD bieten Sie noch ein Produkt an, das den Alltag von Einkäufer/-innen in Zukunft sicherer machen soll: Den Door- und Multigrabber. Was hat es damit auf sich?

Es sind zwei selbstentwickelte Hilfsmittel, um die neuartigen Risikobereiche in unserer gewohnten Umgebung geschickt und berührungsfrei zu meistern. Dazu zählen zum Beispiel das Türenöffnen und -schließen, das Einkaufswagenschieben. Man kann damit auch Terminals bei der Pin-Eingabe bedienen. Die beiden Produkte sind spülmaschinenfest und können desinfiziert werden.

Was tun Sie dafür, innovative Ideen dieser Art in Ihrem Unternehmen zu fördern und wie gehen Sie marketingtechnisch vor, um Produkte bekannter zu machen?

Wir haben flache Hierarchien und vereinfachen hierdurch den Ideenaustausch, die Kommunikation und Innovationen unserer Mitarbeiter/-innen. Im Moment sind Messen und Großveranstaltungen leider tabu. Deshalb setzen wir auch auf digitale Wege: Wir haben gerade unsere Homepage neu gestaltet und dafür viel positive Resonanz erhalten. Aktuell findet zudem der uns sehr wichtige, persönliche Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden und Geschäftspartnern/-innen vermehrt über Videokonferenzen oder am Telefon statt. So können wir unsere gute Betreuung aufrecht erhalten. Und das Thema „Social Media“ wird aufgrund der aktuellen Situation natürlich auch immer interessanter für uns.

Vielen Dank, Herr Schelbert, für Ihren Bericht.

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