Vom Entwurf bis zum Modell: 3D-Druck in der Praxis

Praxistag Additive Fertigung

Der Praxistag „Additive Fertigung“ fand im Duisburger Tectrum statt. (Quelle: FTK – Forschungsinstitut für Telekommunikation und Kooperation e. V.)


11. Dezember 2019 | Von Kevin Bremken

Mit der Nutzung von 3D-Druckern und –Scannern in der betrieblichen Praxis finden zurzeit gerade in der Industrie, aber auch in der Logistik und weiteren Geschäftszweigen erhebliche Veränderungen statt. Additive Fertigung – das bedeutet generell, dass auf 3D-Daten basierende Verfahren zum Einsatz kommen. Durch Hinzufügung von Material und im Wesentlichen ohne Werkzeugeinsatz werden so dreidimensional Gegenstände/ Bauteile produziert. Klassische Herstellungsverfahren für Kunststoff- und Metallteile werden mit additiven Fertigungsverfahren nicht ersetzt, sondern vielmehr zunehmend ergänzt. Es besteht nicht nur die Möglichkeit mit 3D-Druck, schnell, dezentral und bedarfsorientiert zu produzieren, sondern zusätzlich mit weniger Arbeitsschritten. So könnten an vielen Stellen Produktivitätsgewinne erzielt und dank 3D-Technologie Ressourcen geschont werden.

Praxistag „Additive Fertigung

Der Praxistag „Additive Fertigung“ am 30.10.2019 im Duisburger Tectrum präsentierte Lösungen, Anwendungen und Fachinformationen rund um dieses innovative Fertigungsverfahren. Zielgruppe des Events waren insbesondere kleine und mittlere Industrie- und Logistikunternehmen. Fachthemen der additiven Fertigung standen ebenso im Fokus wie praxisnahe Methoden, um in den Unternehmen die eigenen Mitarbeiter/-innen für die damit einhergehenden digitalen Veränderungen zu begeistern.

Um dies zu ermöglichen, konnten die Teilnehmenden im Rahmen eines breit angelegten World Café mit neun Demonstrationsinseln Anwendungen der additiven Fertigung live testen und sich direkt mit Anbietern aus dem Bereich additive Fertigung sowie den Veranstaltern austauschen. Dabei standen zahlreiche Exponate zur Veranschaulichung zur Verfügung.

Holger Schneider vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kommunikation zur Zielsetzung der Veranstaltung:

Mit dem Praxistag wollten wir den Mitarbeiter/-innen in den Unternehmen konkrete Ideen an die Hand geben, wie sie für die Chancen und  Potenziale der additiven Fertigung begeistert werden können und dadurch Vertrauen in den Umgang mit 3D-Druckern und Scannern sowie verschiedene Verfahren der additiven Fertigung erhalten. Die lebhaften Diskussionen an den Demo-Inseln haben uns darin bestätigt, dass wir mit unserem Programm genau die Bedarfe der Unternehmen getroffen haben.

Fachliche Einblicke in additive Fertigungsverfahren, Fragen und Nutzen für KMU

Damit aber nicht genug: In einer informationsreichen Keynote teilte Prof. Dr. Gerd Witt (Uni Duisburg-Essen; Lehrstuhlinhaber Fertigungstechnik) seine Einschätzung und die vielfältigen Anwendungspotentiale für KMU mit:

Additive Fertigungsverfahren haben ihren berechtigten Platz in den Fertigungsverfahren und werden sich fortwährend durchsetzen. So werden bereits mehr Bauteile damit hergestellt, als man vermuten würde. In der Medizin hat sie sich etwa schon teilweise behaupten können. Zahnersatz oder auch Ohrhörer seien genannt, weiterhin im industriellen Bereich z. B. bei Turbinen, wo höhere Wirkungsgrade existieren. Ansonsten natürlich bei Kleinserien, aber auch im Bereich von weißer Ware, wo ich bestimmte Kunststoffteile einsetze

Additive Fertigung: Hiermit sind alle Fertigungsverfahren gemeint, bei denen Material computergesteuert Schicht für Schicht aufgetragen und dadurch dreidimensionale Gegenstände produziert werden.

Die Vielfalt an möglichen Anwendungen sei groß und betreffe nahezu alle Industriezweige. Heute gelten additiv gefertigte Teile vielfach noch als kostenintensiv, die Technologien gewinnen aber stetig an Reife, auch wenn noch nicht alles perfekt sei:

Bei den Materialien vor allem im Kunststoffbereich ist die Vielfalt im Pulverbett basierter Verfahren noch passiv eingeschränkt, da ist ein großer Nachholbedarf, weil man da eine Handvoll von Werkstoffen hat, die nur heute verfügbar sind. Im Metallbereich ist der Nachholbedarf weniger im Werkstoff, sondern in der Nachbearbeitung. Dort habe ich nach dem Bauprozess die Teile noch fest an der Plattform, ich muss also das Bauteil trennen und dann noch teilweise mechanisch nachbearbeiten

Zudem beschäftigte sich eine Diskussionsrunde zum Thema Sicherheits- und Schutzmaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung der Blockchain u.a. mit Urheberrechtsfragen. Die Ideenwerkstatt „Additive Fertigung in der Unternehmenspraxis“ rundete die interaktive Ausgestaltung der Veranstaltung ab:

Markus Sturm (Sturm GmbH):

Für uns als Dienstleister ist die additive Fertigung insofern von Vorteil, dass wir innovative Ideen relativ schnell und auch Fertigungsnah realisieren können. Das heißt dadurch, dass wir uns auf industrielle additive Fertigung spezialisiert haben, haben unsere Produkte Serieneigenschaften, also nicht nur Prototypcharakter

Jannik Nahrgang und Marco Bianconi (Murtfeldt Kunststoffe):„Vor fünf Jahren haben wir die additive Fertigung bei uns ins Portfolio mit aufgenommen, weil wir sagen die additive Fertigung ist für unser Tagesgeschäft eine lückenlose Ergänzung zu unserem Portfolio. Wir haben schon immer individuelle Bauteile in kleinen Stückzahlen bis runter auf Stückzahl eins für unsere Kunden hergestellt und zugeliefert. Die additive Fertigung greift das 1:1 auf mit dem besonderen Vorteil, dass wir jetzt Komplexität reinbringen können, also größere Komplexität und Individualisierung bei den Bauteilen“

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