Künstliche Intelligenz und Vertrauen verbinden

Digitalisierung durch KI ohne Vertrauen funktioniert nicht

Digitalisierung durch KI – ohne Vertrauen der Anwender/-innen funktioniert es nicht.


20. April 2020 | Von Kevin Bremken/red

Wenn das Stichwort „Künstliche Intelligenz (KI)“ fällt, ist die Aufmerksamkeit sicher. Diskussionen lassen sich angesichts dessen, was darunter überhaupt zu verstehen ist und was dadurch ermöglicht werden kann, unendlich lang führen. Doch es gibt durchaus auch viele Fragen und Unklarheiten, die mit KI in Zusammenhang stehen. Diese zu ignorieren, würde das Vertrauen in Technologien erschweren. Deshalb ist die Diskussion über KI nicht nur erwünscht, sondern absolut notwendig.

Verschiedene Grade von KI unterscheiden

Es gibt verschiedene Grade von KI. Experten sprechen von starker und schwacher Künstlicher Intelligenz. Trotz stetigen Weiterentwicklungen begegnen uns im Alltag eher Formen sogenannter „schwacher KI“, die sich auf die Lösung konkreter Aufgabengebiete konzentriert, da komplexe, logische Aufgaben, die menschliches Denken erfordern („starke KI“) bislang kaum lösbar sind. Deshalb gibt es alternativ auf Basis von KI-Systemen vermehrt den Einsatz von „maschinellem Lernen“. Damit wird Computern die Ausführung von Aufgaben durch Lernen aus Daten beigebracht, um Muster zu erkennen, die zu Entscheidungen führen, statt speziell für die Aufgaben programmiert zu werden. Je größer die Datenmenge, desto mehr Lernpotenzial. So können zeitintensive Routinetätigkeiten von den Mitarbeitenden losgelöst werden, die dadurch mehr Zeit für produktive Kreativität bekommen. Maschinelles Lernen (ML) stellt somit eine Schlüsseltechnologie schwacher KI dar. Beispiele aus dem alltäglichen Leben zeigen, dass wir solchen Erleichterungen bereits vertrauen: etwa bei den Routenvorschlägen von Google Maps, Amazons personalisierter Produktempfehlung, bei der Anwendung von Chatbots oder bei industriellen Robotern.

Das Vertrauen in Künstliche Intelligenz wächst

Vor dem Hintergrund des Media Innovation Reports 2019 deutet eine innerdeutsche Umfrage darauf hin, dass 83 Prozent der Befragten sich vorstellen können, mit KI zu kommunizieren. Das ist ein Anstieg innerhalb eines Jahres von 25 Prozent. 2018 waren es noch 58 Prozent. Vor allem in Bezug auf den Konsum von automatisch generierten Berichten, zum Beispiel Wetter: 63 Prozent, Verkehr: 51 Prozent, Musik: 34 Prozent oder Bücher: 30 Prozent, ist für viele Befragte der KI-Einsatz vorstellbar. Wichtig ist allerdings laut 77 Prozent der Befragten, dass KI-Anwendungen als solche erkennbar bleiben sollten. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Akzeptanz von KI tendenziell zunimmt. Zu beachten sind dabei klare Leitlinien für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz und entsprechende Einsatzhinweise, um eine vertrauensvolle und unterstützende Einbindung zu gewähren.

Besonders im Kontext von Arbeit verändert sich durch KI-Geschäftsanwendungen das Vertrauensverhältnis von Mensch und Technik. Unternehmen sowie ihre Mitarbeitenden stützen den positiven und nützlichen Eindruck von KI, zum Beispiel in der Studie „AI at Work“ von Oracle und Future Workplace 2019 mit über 8000 Befragten (Mitarbeitende, Manager/-innen und Personalverantwortliche) aus zehn Ländern. Statt Befürchtungen über etwaige Beeinträchtigungen von Arbeitsabläufen durch KI zu haben, nutzen sogar knapp die Hälfte aller Arbeitnehmer/-innen eine KI-Form während der Arbeit (im Vorjahr noch 32 Prozent). Ganze 65 Prozent zeigen sich angesichts dieser technischer Unterstützung optimistisch. Knapp 25 Prozent berichten von einem guten Verhältnis zu KI am Arbeitsplatz. So wird bei Fragen statt des Personalteams auch mal der entlastende Kontakt zu einem Roboter gesucht. Insbesondere die wertfreie Weitergabe von Informationen wird dabei geschätzt (26 Prozent). Dass KI-Anwendungen in erster Linie assistierend bzw. ergänzend sind, zeigt sich auch an den 45 Prozent, die nach wie vor grundlegend menschliche Kompetenzen wie etwa Empathiefähigkeit dem Menschen zusprechen, nicht etwa einem Roboter.

KI als eine willkommene Unterstützung

Und für welche Tätigkeiten und wie setzen Unternehmen in Deutschland KI ein? Unter anderem diese Frage untersuchte die PwC-Studie „Künstliche Intelligenz“ 2019. KI-Anwendungsmöglichkeiten sehen die befragten deutschen Unternehmen nicht nur in der Datenanalyse, bei Chatbots oder völlig neuen Dienstleistungen, sondern ebenso bei Produkten sowie Geschäftsmodellen.

Eine Frage, die das Vertrauen in Technologien maßgeblich mitbestimmt, ist die des Autonomiegrades. Das heißt: Unterstützt KI menschliche Arbeit oder agiert sie völlig autonom? Die befragten Unternehmen scheinen eine klare Präferenz zu haben:

Grafik aus PwC-Studie 2019: Künstliche Intelligenz in Unternehmen
Grafik aus PwC-Studie 2019: Künstliche Intelligenz in Unternehmen

Nicht zuletzt sind natürlich ebenso menschliche Kompetenzen relevant, um einen erfolgreichen KI-Einsatz zu realisieren, an erster Stelle nennen Unternehmen das Verständnis über Einsatzmöglichkeiten, aber auch Grenzen von KI.

Technologien erweitern Handlungsspielräume

Bei all diesen Zahlen und Stimmungsbildern ist zu beachten, dass KI-Umsetzungen nicht nur im Alltag, sondern speziell am Arbeitsplatz noch eine Menge ungenutzte Chancen bieten, die sich kontinuierlich weiterentwickeln. Gerade mit aktivem Integrieren von Mitarbeitenden in ein KI-Umsetzungsvorhaben oder speziell zugeschnittenen Schulungsangeboten können Sorgen entgegengewirkt und positive Kontakterfahrungen mit der KI gesammelt werden.

Anwendungen künstlicher Intelligenz ermöglichen durch ihr entlastendes Potenzial neue Handlungsmöglichkeiten und damit einhergehend Mitarbeitenden sowie Unternehmen neue Gestaltungsräume. Damit kann technologisches Vertrauen als Stabilisator durch entstehende Verlässlichkeit, noch vielmehr aber auch als Resultat gelingender Mensch-Technik-Kooperation betrachtet werden. Denn: Vertrauen ist eine auf positiver Erfahrung beruhende Vorleistung.

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