Künstliche Intelligenz: So groß ist das Potenzial für KMU

Künstliche Intelligenz


20. Februar 2019 | Von Kevin Bremken/red

Kaum ein Thema fasziniert und beunruhigt zugleich wie Künstliche Intelligenz. Einerseits schreiten Tech-Riesen aus dem Silicon Valley immer weiter voran, nutzen Daten für ganz neue Lösungen, andererseits stellt sich in Europa die Frage nach ethischen Leitlinien. Doch hat Künstliche Intelligenz auch etwas mit KMU zu tun?

Künstliche Intelligenz (KI) bietet erhebliche Potenziale, sorgt aber gleichzeitig für Verunsicherung in der Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der stetig steigenden Relevanz von KI soll Deutschland auch mithilfe der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu einem digitalen Top-Standort werden. Zu diesem Zweck ist die Politik bereit, große Summen in die Weiterentwicklung und Verbreitung von KI zu investierten. Doch was fällt eigentlich alles unter KI? Und inwiefern gibt es Grundprinzipien, auf deren Grundlage KI entwickelt und implementiert werden soll? Was bereits festzustehen scheint, ist, dass sich Wirtschaft und Gesellschaft durch KI-unterstützte Dienste verändern werden.

KI bewertet und lernt selbstständig

Warum es dazu kommen könnte, erklärt sich durch die ökonomische Dynamik von KI. So lässt sie sich am ehesten verstehen als eine Art kollektive Intelligenz. Basierend auf Daten, die in die KI digital eingespeist werden, separiert sie daraus Verhaltensmuster, die wiederum automatisiert weitere Fortläufe auslösen. Ein mögliches Beispiel ist die Regulierung des Energieverbrauchs von Produktionsanlagen. Das ist es auch, was KI von programmierter Computertechnologie unterscheidet; die intelligente Maschine bewertet, lernt und bessert ihr Vorgehen selbstständig aus.

Bei all den technologischen Möglichkeiten und Hilfen dürfen allerdings ethische Fragen und der Faktor Mensch nicht zu kurz kommen. Wie könnte beispielsweise unterbunden werden, dass KI-Systeme Datenschutzrichtlinien verletzen und ohne Zustimmung weiterverarbeiten? Oder wie lässt sich sicherstellen, dass Entscheidungen, die auf KI basieren, fair für die betroffenen Menschen sind? Der Hintergrund: Solche Entscheidungen sind nur so gut, wie das Verständnis der Programmierer und der von ihnen festlegten.

Die digitale Wirtschaft muss beide Faktoren beachten und sich mit der Politik entsprechend auf Leitlinien für den vertrauensvollen Umgang mit KI einigen. Die Ängste, Unsicherheiten und Zweifel der Unternehmen, Mitarbeiter/-innen, Kunden/-innen, aber letztlich auch der Gesamtgesellschaft müssen ernstgenommen sowie reflektiert werden. Sowohl die EU-Kommission als auch der Bundesverband digitale Wirtschaft (BVDW) haben dazu bereits erste Konzepte vorgelegt. Klar ist auch: Mit KI entstehen neue Möglichkeiten, auch solche, die uns das Leben deutlich vereinfachen können – denken wir nur an selbstgesteuerte Fahrzeuge. Die gleichberechtigte Synthese von Menschen, Maschinen sowie digitalen Systemen kann dynamische, echtzeitoptimierte, selbstorganisierende, unternehmensübergreifende Wertschöpfungsnetzwerke, die nach unterschiedlichen Kriterien (Kosten, Verfügbarkeit, Ressourcenverbrauch) modifizierbar sind, entfesseln. 

Potenziale und Anwendung für KMU

KI bietet sich im Grunde in fast allen Bereichen und Branchen zum Einsatz an. Gerade deswegen wird sie von manchen mit dem Innovationspotenzial von Elektrizität verglichen. Das Wirtschaftswachstum könne, so die ersten Marktanalysen, mindestens genauso gesteigert werden. Einige Hochrechnungen gehen davon aus, dass KI das globale BIP bis 2030 um fast 14 Prozent steigern könnte. Letztlich kommt es auf die tatsächliche Umsetzung und Anwendung an. Das grundsätzliche Etablierungspotenzial kann man ihr allerdings kaum absprechen. Eine Garantie auf Erfolg in jedem Falle ist dennoch nicht gegeben. Bereiche, die sich für KI anbieten, können etwa Robotik, Gaming, Maschinenbau, Mobilität oder die medizinische Diagnostik sein. Auch Sprachverarbeitung (z.B. in Sprachassistenten) und Bilderkennung z.B. zur Qualitätskontrolle oder für automatisiertes Sortieren sind Anwendungsfelder von KI. Der Internet-Riese Google nutzt KI beispielsweise, um seinen Energieverbrauch zu reduzieren.

Wo kommen aber KMU konkret mit KI in Berührung? Typische Bereiche in Betrieben sind Präventivkontrollen von sich anbahnenden Störungen, Qualitätskontrolle, Raumüberwachung, Datenmanagement oder Meldung von Arbeitsunfällen. Des Weiteren denkbar wären Bereiche der automatischen Dokumenterkennung – Programme für die Bearbeitung von Rechnungen und der Verknüpfung der Inhalte mit Finanzamt und Buchhaltung. Auch im Customer Relationship Management (CRM) wird über KI intensiv diskutiert; Ziele sind dabei zum Beispiel die Kosten zur Kundengewinnung zu senken.  Letztendlich kann man Einsatzfelder für KI überall dort vorstellen, wo Automatisierung eine Rolle spielt. Voraussetzung dafür sind allerdings große Datenmengen, was vor allem auf Vorbehalte stößt, ähnlich wie bei der noch zögerlichen Nutzung von Cloud Computing. Dabei, so sagen Experten, gibt es auch für mittelständische Unternehmen schon heute Einstiegsmöglichkeiten in die KI, z.B. ins Machine Learning, die auf guten Informatikkenntnissen beruhen. Strategieentwicklungen zur Anwendung von KI werden für kleine und mittlere Unternehmen vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert.

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