So verbessert das Kreativatelier „Nähsterne“ die Onlinekommunikation

Gabriele Hofmann und ihre Tochter Ann-Kathrin Weimer im Atelier "Die Nähsterne".

Gabriele Hofmann und ihre Tochter Ann-Kathrin Weimer im Atelier „Die Nähsterne“.


14. Mai 2020 | Von Anne-Kathrin Berg

Gabriele Hofmann gründete 2016 ihr Unternehmen „Die Nähsterne“. Dabei handelt es sich um ein kleines Kreativatelier in Neu-Isenburg (bei Frankfurt). Im Atelier bietet sie Nähkurse für Erwachsene, Kindernähkurse ab 8 Jahren und ein Nähcafé an. Zusätzlich hat sie sich räumlich vergrößert, um einen Ort zu schaffen, an dem kreative Menschen zusammenkommen. Weitere Kreativkurse waren in Planung. Doch aufgrund der aktuellen Coronasituation wird ihr Geschäftsmodell nun auf die Probe gestellt. Gefragt ist jetzt eine schnelle und effektive Onlinekommunikation.

Was macht gute Onlinekommunikation aus?

Zum Glück stellte sich Frau Hofmann bereits vor der Coronakrise die Frage nach einer geeigneten Kommunikationsstrategie für ihren Onlineauftritt. Dabei unterstützte sie ihre Tochter Ann-Kathrin Weimer. Sie ist Onlinekommunikationsabsolventin und entwickelte in ihrer Bachelorarbeit mit dem Titel „Erstellung eines Kommunikationskonzeptes für „Die Nähsterne“ ein individuelles Konzept und Online-Marketing-Maßnahmen. In der Bachelorarbeit nahm vor allem der Analyseteil einen hohen Stellenwert ein, welcher mit Hilfe einer Situationsanalyse, SWOT-Analyse, Wettbewerbsanalyse, Zielgruppenanalyse mit Hilfe der Persona-Methode und SEO-Analysen durchgeführt wurde. Das ermöglichte die Entwicklung einer Kommunikationsstrategie und der Ableitung von zielgruppengerichteten Maßnahmen für „Die Nähsterne“.

Bei einer SWOT Analyse beschreiben Sie Ihre persönlichen (internen) Stärken und Schwächen (Strength-Weakness) und die Chancen und Risiken (Opportunities-Threats), die Ihnen Ihr Umfeld für Ihre Gründung bietet.

Kommunikation mit Zielgruppen

Da Frau Hofmann ursprünglich Neukunden/-innen vor allem durch Offline-Maßnahmen wie Plakate, Printanzeigen und Flyer akquirierte, wurde der gemeinsame Blick bewusst auf die Digitalisierung gelenkt. Frau Hofmann hatte zwar bereits eine Unternehmenswebsite sowie einen Facebook- und Instagram-Account, diese waren jedoch nicht einheitlich in ihrer Onlinekommunikation. Es stellten sich Fragen, vor denen viele kleine und mittlere Unternehmen anfangs stehen: „Wie und wie oft soll ich meine Zielgruppe am besten ansprechen“? und „Welche Kommunikationsmittel und Plattformen sollte ich dafür am besten nutzen – Hauptsache viele oder eher passgenau und sorgsam?“.

Ann-Kathrin Weimer entschied sich in ihrer Bachelorarbeit für Letzteres: eine zielgerichtete Strategie, um die Bekanntmachung in der Zielgruppe zu steigern und eine Markenidentität aufzubauen – eine Strategie, die aufging. Alles lief wie im Lehrbuch. Doch dann kam Corona. Im Moment näht Frau Hofmann deshalb Mund-Nasen-Bedeckungen, um die schwierigen Zeiten zu überbrücken. Sie hofft aber natürlich, dass sie schon bald zu ihrem geliebten Kerngeschäft zurückkehren kann.

Frau Hofmann, wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um?

Da ich mich im September 2019 vergrößert habe, um weitere Kreativkurse und auch ein Nähsortiment anbieten zu können, war die Situation zu Beginn natürlich nicht sonderlich leicht. Um im ersten Schritt meine Fixkosten decken zu können, habe ich die Corona-Soforthilfe des Landes Hessen beantragt und meine Kurse erst einmal gestoppt. Ich habe meinen Kundinnen und Kunden angeboten, die bereits gebuchten Kurse zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können und mich dazu entschieden, für private und geschäftliche Kunden Mund-Nasen-Masken zu nähen. So bleibt mein Geschäft bestehen, auch wenn ich gerade keine Kurse vor Ort geben kann. Außerdem erstelle ich gerade ein Konzept für die Wiedereröffnung und hoffe, dass ich schon bald wieder vor Ort Kurse geben kann.

Inwiefern helfen Ihnen die digitalen Medien, mit Kunden/-innen vernetzt zu bleiben?

Zu Beginn habe ich meine Kundinnen und Kunden vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda und kleine Offline-Marketing-Maßnahmen erreicht. Durch die digitalen Medien habe ich allerdings noch ganz andere Möglichkeiten. Ich kann eine viel breitere Zielgruppe erreichen und meine Kunden bleiben durch die Website und die sozialen Medien auf dem Laufenden. Mittlerweile spielt vor allem die Website eine große Rolle, da viele Kunden über das Kontaktformular Kurse anfragen. Aber auch die Plattformen Instagram und Facebook helfen mir, mit meinen Kundinnen und Kunden im Austausch zu bleiben und über Neues zu berichten.

Das Atelier in Neu-Isenburg. (Quelle: Nähsterne)

Wie haben Sie die Erkenntnisse aus der Bachelorarbeit Ihrer Tochter weitergebacht?

Ich habe unfassbar viele Erkenntnisse über meine Zielgruppe gewonnen. Durch die Ergebnisse habe ich vor allem deren Bedürfnisse und Anforderungen an ein Kreativatelier verstanden, woraus ich natürlich auch Schlüsse ziehen kann. Außerdem war mir nie klar, wie ich auf den einzelnen Plattformen kommunizieren soll und wie häufig Inhalte gepostet werden müssen. Auch, dass eine einheitliche Bildsprache von meiner Zielgruppe als sehr positiv wahrgenommen wird, war mir bis dato nicht bewusst. Dadurch dass die Bachelorarbeit so umfangreich ist, konnte ich sowohl hilfreiche Erkenntnisse aus der Analyse im Hinblick auf meine Wettbewerber ziehen, aber eben auch ein Verständnis dafür entwickeln, wie wichtig es ist, eine einheitliche Strategie aufzustellen.

Frau Weimer, wie sind Sie bei der Strategie- und Konzeptionsfindung für „Die Nähsterne“ vorgegangen?

Um eine geeignete Strategie aufzustellen und ein Kommunikationskonzept entwickeln zu können, habe ich einen hohen Stellenwert auf die Analyse des Unternehmens, die Zielgruppe und das Wettbewerbsumfeld gelegt. Dabei war es mir wichtig, die Idee und auch die Vision von „Die Nähsterne“ aufzugreifen, um eine klare Abgrenzung zu den Wettbewerbern aufzuzeigen. Zusätzlich spielte bei der Strategieentwicklung das eigentliche Ziel, welches mit Hilfe des Kommunikationskonzeptes erreicht werden soll, eine wichtige Rolle. Es sollte zum einen die Bekanntheit von „Die Nähsterne“ in der Zielgruppe erhöht werden, aber auch die Marke gestärkt und eine Markenidentität aufgebaut werden. Vor allem durch die Zielgruppenanalyse, welche ich im dazugehörigen Forschungsprojekt durchgeführt habe, konnte ich wichtige Erkenntnisse über die Zielgruppen herausfinden und diese für die spätere Konzeptionsfindung nutzen. Auf Grundlage der ausführlichen Analysen und der festgelegten Ziele konnte ich so eine Kommunikationsstrategie ableiten und daraufhin zielgruppenspezifische Maßnahmen für „Die Nähsterne“ entwickeln.     

Inzwischen sind einige Monate vergangen, seitdem Sie das Kommunikationskonzept fertiggestellt haben. Konnten Sie schon Erfolge feststellen?

Es freut mich natürlich, dass meine Mutter schon einige meiner entwickelten Maßnahmen in ihre Kommunikation mit aufgenommen hat und explizite Handlungsempfehlungen umgesetzt hat. Vor allem im Hinblick auf die Plattform Instagram konnten schnell erste Erfolge erzielt werden. Innerhalb von kürzester Zeit ist ihre Abonnentenanzahl gewachsen und die Impressionen in den vierstelligen Bereich gestiegen. Auch wurden erste SEO-Maßnahmen umgesetzt, wodurch die Auffindbarkeit von der Unternehmenswebsite in kurzer Zeit erhöht wurde.

Sie haben viel Zeit in das Formulieren der Geschäftsidee, der Nähsterne-Vision sowie das Alleinstellungsmerkmal investiert. Spielte auch Storytelling dabei eine Rolle?

Bevor ich mit der Entwicklung der Strategie und dem daraus resultierendem Konzept gestartet habe, waren mir die Formulierung der Geschäftsidee, der Vision und der USP (= Alleinstellungsmerkmal) sehr wichtig. Das liegt vor allem daran, dass „Die Nähsterne“ noch ein kleines, recht junges Unternehmen ist und eine genaue Definition zwar vorhanden war, aber die einzelnen Elemente nicht richtig im Einklang miteinander waren. Aus diesem Grund waren das Ausformulieren und das Gegenüberstellen von den einzelnen Aspekten wichtig, um im Anschluss in der Strategie Botschaften entwickeln zu können, die für Storytelling genutzt werden können. Die Erfahrung, die meine Mutter sich über die vergangenen Jahre aufgebaut hat und die Leidenschaft zur Kreativität, wollte ich hier ganz klar in den Fokus stellen und im Onlineauftritt mit Hilfe von Storytelling nutzen.

Wie messen Sie, dass Ihr Konzept aufging?

Natürlich sind bereits einige Monate seit meiner Abgabe der Bachelorarbeit vergangen, jedoch konnten noch nicht alle entwickelten Maßnahmen umgesetzt werden, was natürlich auch der aktuellen Situation geschuldet ist. Trotzdem lassen sich erste Erfolge messen, welches zum einen durch relevante Kennzahlen festgehalten werden kann, aber auch durch ganz persönliches Feedback von Kundinnen und Kunden. Ich denke, der Erfolg hinter meinem Kommunikationskonzept ist, dass ich ein einheitliches und umfangreiches Konzept entwickelt habe, welches eine integrative Kommunikation mit Hilfe von zielgerichteten Botschaften schafft. Dadurch habe ich eine nachhaltige Grundlage für meine Mutter geschaffen, da sie nun umfangreiche Erkenntnisse über ihre Zielgruppe einsehen kann, aber auch durch die durchgeführten Analysen viele weitere Maßnahmen in Zukunft ableiten kann, um sich von ihren Wettbewerbern am Markt abzuheben.  

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