E-Recruiting: Wie Gastronomen Personal online finden

E-Recruiting ist die Suche nach Mitarbeiter/-innen via Internet. (Bild: Pexels)

E-Recruiting ist die Suche nach Mitarbeiter/-innen via Internet. (Bild: Pexels)


10. Oktober 2019 | Von Kerstin Wilhelm

Ein gutes Team ist für ein erfolgreiches Unternehmen das A und O. Neben dem allgegenwärtigen Fachkräftemangel hat sich der Weg dorthin durch die Digitalisierung stark verändert. Stellenanzeigen, Bewerbungsmappen und Bewerbungsprozesse sind nur drei Schlagworte, die sich durch das E-Recruiting deutlich gewandelt haben. Aber was steckt dahinter? Was bedeutet E-Recruiting und wie kann dies auch von Gastronomen erfolgreich genutzt werden? Wir haben den Experten für E-Recruiting Sebastian Peter gefragt. Er war viele Jahre im Recruiting von großen Beratungsunternehmen und Banken tätig.

Guten Tag Herr Peter, können Sie als Kenner der Recruiting-Branchen uns noch einmal kurz beschreiben was E-Recruiting überhaupt bedeutet?

Im Grunde genommen ist E-Recruiting die Weiterentwicklung des klassischen Recruiting-Prozesses, welcher hauptsächlich auf Printmedien und Offline-Veranstaltungen (z.B. Karrieremessen) aufgebaut hat. In der heutigen Zeit müssen Entscheider an den Ort gehen, an dem sie ihre potenziellen Kandidaten/-innen treffen und mit diesen aktiv in den Dialog treten können: das Internet. Wenn wir genauer darauf eingehen, dann bietet das Internet einige vielfältige und zugleich nützliche Möglichkeiten, die den Begriff E-Recruiting klarer beschreiben. Verantwortliche Unternehmen haben die Möglichkeit, auf verschiedene Onlinemedien zurückzugreifen: Online-Jobbörsen, Social-Media-Plattformen, Business-Portale, Smartphone-Apps und seit etwa zwei Jahren auch Online-Jobmessen. Was viele Unternehmen dabei vergessen, ist die eigene Unternehmenswebseite. Wie in der Onlinekommunikation ist diese der Dreh- und Angelpunkt der digitalen Rekrutierung.

Kann E-Recruiting denn auch von Gastronomen genutzt werden? Worauf sollten sie achten? Gibt es irgendwelche Stolpersteine auf dem Weg zum „perfekten“ Team?

Das Schöne am E-Recruiting ist, dass wirklich jedes Unternehmen – unabhängig von Branche, Unternehmensgröße und verfügbaren Ressourcen – die Möglichkeit hat E-Recruiting aktiv zu betreiben. Wie bereits geschildert sind die Möglichkeiten dabei sehr vielfältig und können gerade zu Beginn, aufgrund der Masse an Angeboten, für eine leichte Verwirrung und/oder Überforderung sorgen. Meine Empfehlung ist, sich in Ruhe über die verfügbaren Kanäle zu informieren, um dann zu entscheiden, ob es Sinn macht dort aktiv zu werden. Nicht jeder Kanal ist für jedes Unternehmen geeignet!

Welche Kanäle sind für die Personalsuche am besten geeignet?

Zeitlose Klassiker sind definitiv die Online-Jobbörsen. Hier können Unternehmen klassische Stellenanzeigen publizieren und diese für einen gewissen Zeitraum (im Normalfall für 30 Tage) online schalten. Potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten haben hier die Möglichkeit, per Such- und Filterfunktion nach entsprechend interessanten Stellen zu suchen. Populär sind hier die Online-Jobbörsen Monster und StepStone – diese sind in der breiten medialen Masse zumeist bekannt. Wichtig zu erwähnen: Es kann durchaus Sinn machen, diese Online-Jobbörsen zu meiden und auf einschlägige Branchen-Jobbörsen zu setzen.

Was sich im E-Recruiting ebenfalls sehr bewährt hat, sind die Social-Media-Plattformen Xing (für den deutschsprachigen Raum) und LinkedIn (für den internationalen Raum). Hier haben Unternehmen die Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren und gegebenenfalls aktiv auf Jobsuchende zuzugehen.

In den letzten Jahren kamen auch immer wieder unterschiedliche Smartphone-Apps auf den Markt, mit dem Ziel die Jobsuche simpel zu gestalten. Ein Beispiel ist hier die App „truffls“, welche es Kandidaten und Kandidatinnen ermöglicht, sehr einfach mit Unternehmen in Kontakt zu treten und sich bewerben zu können.

Ebenfalls sollte man nicht die Stärke der eigenen Unternehmens-Webseite unterschätzen. Häufig suchen Interessentenmithilfe von Suchmaschinen nach neuen Jobs. Ist die eigene Webseite mit gutem Content – sprich Inhalten – und einem einfachen Weg der Bewerbung gefüllt, kann dies schon ein entscheidender Erfolgsfaktor sein.

Abschließend lässt sich sagen, dass man sich auf die Kanäle fokussieren sollte, auf denen die eigene Zielgruppe unterwegs ist. Ein Tipp aus der Praxis: Versuchen Sie sich in Bewerber/-innen  hineinzuversetzen. Wo würden Sie als erstes nach einem Job und/oder Unternehmen suchen?

Anteil der generierten Neueinstellungen durch Unternehmen nach Recruiting-Kanälen in den Jahren 2015 bis 2018. (Quelle: Statista)

Anteil der generierten Neueinstellungen durch Unternehmen nach Recruiting-Kanälen in den Jahren 2015 bis 2018. (Quelle: Monster, Statista)

Welche Vorteile hat das E-Recruiting denn für die potenziellen neuen Mitarbeiter/-innen?

Neue Mitarbeiter/-innen haben es in der heutigen Zeit sehr leicht, an Informationen über den eventuellen Arbeitgeber zu gelangen. Sie haben oft die Möglichkeit, sich vorab ausreichend über die Stelle zu informieren und je nach Aufbau der Unternehmens-Webseite, auch die Möglichkeit mehr über sogenannte Insights (Eindrücke des Arbeitsalltags, das Team etc.) zu erfahren. Man bekommt so schon vorab ein recht gutes Bild von dem Unternehmen. Dies ist für Unternehmen Fluch und Segen zugleich. Eine gepflegte und aktuell gehaltene Website ist hier besonders wichtig. Ebenfalls sollte man – falls vorhanden – die eigenen Social-Media-Kanäle nicht vergessen. Auch hier werden sich Bewerber/-innen möglicherweise informieren.

Welche Tipps haben Sie für einen Restaurant oder Café Besitzer/-in, um sich aus der Masse positiv hervorzuheben?

Präsentieren Sie sich und Ihre Unternehmenskultur. Machen Sie deutlich, wie Sie sich von Ihrem Wettbewerb abheben. Häufig sind es kleine Benefits, die hierbei helfen. Insbesondere Generation Y (und alle noch kommenden) lassen sich mehr von der Kultur und den Arbeitsbedingungen und weniger vom Geld lenken.

Das wichtigste hierbei: Seien Sie authentisch und durchaus auch mal unkonventionell, zum Beispiel mit einem lockeren aber dennoch professionell wirkenden Unternehmensauftritt und einer dazugehörigen Stellenausschreibung. Letzen Endes ist Recruiting – egal ob online oder offline – ein „people business“ und da zählt immer noch am meisten der authentische Ersteindruck und der wertschätzende Umgang miteinander.

Zum Schluss würde uns noch interessieren, welches sind für Sie die Trends des E-Recruitings im Jahr 2020?

Interessante Fragestellung! Gerade mit Fortschritt der Digitalisierung (insbesondere Künstliche Intelligenz „KI“ und Automatisierung) entwickelt sich auch das E-Recruiting weiter.

Einer meiner persönlichen Favoriten ist das sogenannte „Mobile Recruiting“. Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der Nutzer/-innen heutzutage vom Smartphone oder Tablet auf das Internet zugreifen. Informationen müssen mit wenigen Klicks erreichbar und vor allem gut aufbereitet sein. Unternehmen können sich dies zunutze machen, indem sie ihre Webseiten (insbesondere ihre Karriereseiten) mobil optimieren und es Bewerber/-innen somit leicht machen, sich zu informieren und bestenfalls zu bewerben.

Ein weiterer Trend, der sich immer mehr durchsetzen wird, ist das Social Recruting. Immer mehr Unternehmen wechseln von Karriereplattformen (wie Xing) über zu den klassischen sozialen Netzwerken wie Twitter, Instagram und Facebook. Das kann je nach Zielgruppe durchaus sinnvoll sein. Unternehmen sollten dies einfach mal ausprobieren – allerdings mit Strategie und gutem Inhalt!

Ein Trend der immer aktuell sein wird: Kandidat/-innen im Mittelpunkt des Rekrutierungsprozesses. Berufseinsteiger/-innen und sogenannte Young Professionals verlangen einen wertschätzenden Umgang – insbesondere im Hinblick auf Kommunikation (zum Beispiel zeitnahe Rückmeldungen) und einen unkomplizierten Recruiting-Prozess. In der Fachsprache nennen wir das auch Candidate Experience. Behandeln Sie Ihre potenziellen neuen Mitarbeiter/-innen so, wie Sie auch Ihre Kundschaft behandeln würden – authentisch und wertschätzend.

Herr Peter, vielen Dank für das Interview.

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